Pilgerreise 2026

Reisebericht der Pilgerreise nach Santiago de Compostela 

Caminho portugues da Costa, Teil II

 

Vom 28.05. - 05.06.2026 machten sich 20 Leute, überwiegend Ü60, auf den Jakobsweg von Nigran über Vigo, Redondela, Pontevedra, Caldas de Reis und Padron nach Santiago de Compostela. Als Begleitpersonen waren diesmal Pastorin Ute Parra aus der Kirchengemeinde Preetz (im vorigen Jahr begleitete uns Pastor Lutz Thiele) und unser erprobter Pilgerführer Hans-Peter Meier aus Plön dabei.

Der größte Teil der PilgerInnen (portugiesisch und spanisch: Peregrinos) waren schon 2025 in Portugal dabei und wünschten sich mit der letzten Etappe von ca. 130 km nun auch Santiago de Compostela zu erreichen und die Pilgerurkunde zu erhalten. Aber der Weg ist natürlich das Ziel!

Reichlich beschenkt mit Liederheft, Jakobsmuschel, Pilgerausweis und täglichem Segen sind wir mit dankbarem Herzen losgewandert. Immer auch auf der Suche nach einer Stempelstelle (mindestens zwei Stempel am Tag zum Nachweis, dass die Strecke auch gegangen wurde), einem Fotomotiv, einer Toilette und einem guten Rastplatz.

Jede Pilgerstrecke (ca. 20 km täglich) wurde bereichert durch ein Tagesmotto, ein dazu passendes Symbol, einen Psalm oder eine Geschichte aus dem Buch “Mut ist... Kaffeetrinken mit der Angst” von Susanne Niemeyer, Lieder, Gebete und Segnungen.

Ein Beispieltag: Symbol die Muschel – harte Schale, weicher Kern. Frage: Wann sollten wir uns öffnen, um Neues und Nahrhaftes zu uns zu nehmen? Wann wieder schließen? Wann wird das Außen zu viel? Wann sollte ich meinen weichen Kern schützen?  Lied: “Meine Hoffnung und meine Freude”. Psalm 31.

Die Fragen konnten wir auf unserem Weg in der Schweigezeit bewegen, um uns dann im Anschluss mit einer Person unserer Wahl auszutauschen.

Die Hilfsbereitschaft in der Gruppe war groß und die vielen Gespräche bereichernd.

Der Weg verlief zunächst am Atlantik und am Ria de Vigo (eine tief ins Land hineingehende Meeresbucht) entlang, vorbei an wunderbaren weißen Sandstränden und Uferpromenaden. Dann wanderten wir auf einem ebenen Höhenweg mit schönen Ausblicken auf die Meeresbucht. Später verlief der Weg auf befestigten Waldwegen, dann war der Weg oft steinig-felsig, mit kräftigen Anstiegen, verlief auch mal neben Straßen, dann wieder durch Eukalyptus- und Eichenwälder, entlang von Feldern und vorbei an kleinen Dörfern. Und auch auf einem schönen ebenen Uferweg neben dem plätschernden Flüsschen Rio Tomeca. Weiter ging es auf kleinen Sträßchen und Waldwegen durch locker besiedeltes Gebiet, vorbei an Feldern, die Bahnlinie und die Autobahn zunächst in Hörweite, dann im Tal des Rio Gandara, durch Felder und auch mal unter Laubengängen aus Weinreben.

Das Wetter, wie bestellt, angenehm warm, Wind, Sonne und oft bedeckter Himmel, tiefhängende Wolken, kein Regen. einfach herrlich. Wir freuten uns über das üppige Grün (die spanischen Schnecken sahen wir nicht) und die Blütenpracht: Lilien in allen Farben, Hortensien, Engelstrompeten, Kapuzinerkresse, Calla, Rosen, Fingerhut, Wandelröschen, Ginster.

 

Santiago de Compostela erreichten wir am späten Nachmittag, nach der längsten und anstrengendsten Etappe. Alle waren erschöpft und auch dankbar und glücklich endlich auf dem großen Platz vor der Kathedrale angekommen zu sein. Mit der feierlichen Abendmesse in der Kathedrale stellte sich das beglückende Gefühl „angekommen sein“ auch ganz ein.

Am nächsten Vormittag zeigte unser Guide, Francisco, uns seine Stadt. Vom Eichenwald der Heiligen Susanne (heute Botanischer Garten) und der angrenzenden eichenbestandenen Promenade aus: Santiago de Compostela bei dem typischen bedeckten Himmel, ein herrlicher Blick auf Kathedrale und Altstadt. Weiter ging es durch die morgens noch leeren Gassen zur Kathedrale. In einer Nebenkapelle der Kathedrale hielten wir Gottesdienst und dann überreichten uns Ute und Hans-Peter unsere Pilgerurkunde, die Compostela.

Am Nachmittag fuhren wir mit Francisco nach Muxia und Finisterre, dem Ende der Welt, heute mit wenig Wind. Am Kreuz unterhalb des Leuchtturms feierten wir Abendmahl und das Ende unserer Pilgerreise. Und wir sangen noch einmal, das Lied, dass wir an jedem Pilgertag dankbar angestimmt hatten:

Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht.

Brigitte Fiebig und Marlene Stoltenberg

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